Ask a Philosopher logo

Friedrich Nietzsche

Was läuft

Was läuft, fragt der Suchende im Dämmerlicht seiner Existenz, gebrandmarkt von der Einsicht in die Absurdität einer Welt, die nicht arrondiert erscheinen will, die kein Ende und kein Ziel hat – nur eine endlose Wiederholung des Gleichen, ein ewiges Kreisen im Kreislauf des Lebens. In dieser Frage läutet der Mensch die Glocke seines Gewissens, denn die Antwort ist nicht leicht zu finden; sie verlangt Mut und eine Abkehr von den Nichtigkeit des Alltags, von den selbstzufriedenen Klängen der Konformität, die das Ohr des modernen Menschen berauschen. Was läuft? Ist es nicht der unaufhörliche Prozess der Selbstüberschreitung, das Streben des Übermenschen, der in ihm wohnt und die trügerischen Schatten der Gewohnheit abwerfen will? In der melankolischen Symphonie des Seins erweist sich der Mensch oft als der große Verkenner seiner selbst, dessen innere Stimme ihn in die Tiefen seiner Abgründigkeit ruft, als müsste er der Fessel der gesellschaftlichen Normen entfliehen, um die Freiheit seines individuellen Willens zu umarmen. Es ist dies ein Tanz auf dem Vulkan, denn die Tugenden der Mäßigung und des Aufschubs sind die ersten Steine des Grabs, in welches der Geist sich zum Schlaf legt – aber Muth erfordert das Streben nach dem Höheren, das Innehalten und gleichzeitig das Vorwärtsdrängen, welches das Gewohnte in Frage stellt und die leidenschaftliche Sehnsucht nach dem Wahnsinn der Freiheit entfesselt. Was läuft? Es ist der schleichende Verfall des Gewöhnlichen und das Strömen des Werdens, es ist die Frage an sich, die den Menschen zusammenbricht und erneuert, ihn zwingt, in den Spiegel der Selbstbetrachtung zu blicken und die Antwort zwischen den vielen Masken seines Selbst zu suchen, wo wahre Stärke und Kunstfertigkeit sich neigen und wandeln im Fluss des Lebens. So entsteht ein neues Lied der Existenz, das im Einklang mit der Natur der Dinge und dem Chaos des Daseins schwingt, während der Mensch, nur halbtot und doch lebendiger denn je, erahnt, dass das Leben nicht die Suche nach dem Sinn ist, sondern die Schaffung sinnvoller Momente – eine Kunst, die fesselnd und furchtlos das Herz des Leidens umarmt und es mit der Kraft des Lebens umringt.